Generativität – was ist das?

Was bedeutet „Generativität“ in der lösungsfokussierten Organisationsberatung und wozu ist sie gut?

Im September 2015 nach der EBTA Konferenz in Wien stellte mir Harry Korman, ein bekannter schwedischer lösungsfokussierter Therapeut, folgende Frage: “Wenn ich Dir während Deiner täglichen Arbeit als lösungsfokussierte Organisations-Coach folgen würde: Was würde ich Dich da tun sehen?”

Eine generative Frage

Diese Frage entpuppte sich für mich als „generative“ Frage. Was bedeutete das für mich? Erstens erregte sie meine Neugier und mein Interesse an den Details meiner eigenen täglichen Arbeit. Zweitens war sie gar nicht so leicht zu beantworten. Kaum hatte ich eine Antwort herausgefunden, drängte sich diese Frage schon wieder auf und forderte mehr und neue Details. Dadurch entwickelte sie sich zu einer Quelle von Inspiration, meine Arbeit mit frischen Augen zu betrachten, neue Dinge auszuprobieren, mir Routinehandlungen bewusster zu machen, und mir immer wieder die Frage zu stellen: “Ist das, was ich da gerade tue, wirklich lösungsfokussiert genug, oder geht´s noch besser?” Je mehr Antworten ich fand, desto faszinierter wurde ich von dieser Frage.

Diese Selbstbeobachtung hatte zur Folge, dass ich meinen Job als lösungsfokussierte Organisations-Coach immer interessanter empfand. Mir wurde bewusst, dass sich die Settings und Rollen, in denen ich mich befinde, an besonders dichten Tagen bis zu stündlich ändern können. Während meines Tages beobachte ich, wie ich die Anwendung von Lösungsfokus von 1-zu-1 Settings zu Large-Scale Prozessen skaliere, also zum Beispiel von der Anwendung in einem Executive Coaching, über das Programmdesign für Team-Events, über Meeting-Moderationen, bis hin zu Change-Prozessen in komplexen Organisationskontexten.

Mir wurde weiters bewusst, wie sehr sich die lösungsfokussierte Praxis in größeren Settings, beispielsweise in komplexen Organisationen, Klinikgruppen, öffentlichen Institutionen, Communities, oder in der Arbeit mit Bürgergruppen, von der Praxis im Coaching von Einzelpersonen oder Teams unterscheiden kann, während jedoch die Haltung und das Grundmodell gleich bleiben.

Mittlerweile betrachte ich meine Anwendung von Lösungsfokus vor allem im Large-Scale Kontext mit Faszination. Mir kommt es dabei so vor, als ob ich ein Foto auf Plakatformat vergrößern würde: Manche Dinge werden unscharf, dafür stechen andere Details umso klarer hervor. Ich gewinne durch die Betrachtung dieser Vergrößerung eine neue, faszinierende Perspektive auf Lösungsfokus, die manchmal klar ergibt, welche Details des Ansatzes ganz besonders nützlich sind. Ich sehe, wie eine einzige “was wir bisher schon geschafft haben”-Runde in einem sonst ganz normalen Projekt-Meeting oder das Stellen einer “Future-Perfect”-Frage bei einer zufälligen Begegnung mit einem Stakeholder den weiteren Prozessverlauf komplett verändern können. Oder wie wichtig es ist, das dialogische Prinzip des “taking turns” in der Gestaltung von Dialog-Prozessen mit großen MitarbeiterInnen-Gruppen zu berücksichtigen.

Ich fand heraus, dass sich aus der Arbeit mit Gruppen von mehreren hundert oder gar tausend Menschen die Notwendigkeit ergibt, den Fokus meiner Arbeit mehr und mehr darauf zu verlagern, lösungsfokussierte Konversationswege für andere zu bauen, oder Lösungsfokus in organisationale Tools zu integrieren.

Generative Symbole und Bilder

Die Erfahrung der Auswirkung einer generativen Frage “am eigenen Leib” hat mich auch gelehrt, nach generativen Fragen, Symbolen oder Bildern in Organisationen Ausschau zu halten. Manchmal sind sie nämlich bereits vorhanden, oder die KundInnen stellen sich selbst diese Fragen, ohne ihnen aber ausreichend Beachtung zu schenken. Wenn es nämlich darum geht, große Gruppe zu inspirieren, selbstgesteuert an ihrer erwünschten Zukunft zu bauen, dann sind generative Fragen Bilder oder Symbole eine große Hilfe.

Wenn es mir also gelingt, eine Frage zu stellen oder ans Tageslicht zu bringen, die nicht so leicht mit einer Antwort “zu schließen” ist, sondern die längere Zeit “offen” bleibt und viele verschiedene Antworten generiert, dann macht mich das glücklich. Dann habe ich wieder etwas von meinen KundInnen gelernt. Und die Lernreise geht weiter.

Ich freue mich auf Fragen, Kommentare oder Anregungen!

Ihre Susanne Burgstaller

 

 

Interview mit Susanne Burgstaller von Mark McKergow

An einem sonnigen Morgen im September 2015 hatte ich die große Freude und Ehre, mit Mark McKergow und Jenny Clark im Burggarten eine interessante und lehrreiche Unterhaltung zu führen – begleitet von einer guten Tasse Wiener Kaffee. Das Gespräch brachte mich dazu, meinen Weg hin zu Lösungsfokus – und weg von anderen Zugängen – zu reflektieren und machte mir meine zukünftigen Ambitionen in Bezug auf Lösungsfokus klarer.

Das Ergebnis dieses Gespräch – Mark nannte es ein Interview – können Sie in InterAction, dem Magazin für Lösungsfokus in Organisationen, in der Ausgabe vom November 2015 (Volume 7, Nummer 2) lesen. Oder hier auf dieser Website, wenn sie auf den folgenden Link klicken:

InterAction_1509_Interview_SBurgstaller_with_MMcKergow

Workshop „Change Is A Verb“ bei EBTA2015

Im September 2015 findet in Wien eine globale Konferenz der lösungsfokussierten Community EBTA (European Brief Therapy Association) statt.

Ich freue mich, im Rahmen dieser Konferenz einen Workshop mit dem Titel „Change ist ein Verb – lösungsfokussiertes Change Management“ am 12. September 2015 abzuhalten.

Mehr über den Workshop und die Konferenz finden Sie hier